
Queeren Schutz selbst in die Hand nehmen! Queers in die Antifa!
Der Rechtsruck ist auf dem Vormarsch. Antifeminismus und Queerfeindlichkeit sind zentrale und verbindende Elemente aller rechten Weltbilder: vom CDU-Stammtisch bis hin zu Neonazis. Gleichzeitig gibt es deutschlandweit so viele CSDs wie noch nie. Was heute in Ulm passiert, wäre noch vor 20 Jahren unvorstellbar gewesen.
Spätestens seit Sommer 2024 sind CSDs deutschlandweit im Fokus von allen möglichen Rechten. Die Bilder aus Bautzen gingen um die Welt. Das passiert auch in Baden-Württemberg: Neonazi-Demos in Albstadt 2024 sowie in Pforzheim 2025 und vor einer Woche. CSDs werden von Rechten, allen voran der AfD als parlementarischem Arm, zum Austragungsort eines Kulturkampfes gemacht.
Das sehen wir auch lokal: 2024 verteilte Nicolas Brickenstein (Aktivist der neofaschistischen Identitären Bewegung und AfD-Gemeinderat in Ulm) ekelhafte trans- und queerfeindliche Flyer. Auf diesen unterstellte er allen queeren Menschen grundsätzlich psychische Erkrankungen und stellte Familien und Kinder als durch queere Menschen gefährdet dar. 2025 gab es zwei AfD-Infostände, einen davon direkt an der Route des CSDs. Egal ob Franz Schmid (AfD Neu-Ulm) oder Daniel Rottmann (AfD Ulm/ADK) – sie alle hetzen seit Jahren gegen queere Menschen.
Gleichzeitig werden CSDs immer mehr zu kommerzialisierten Party-Paraden, die zwar sichtbarer sind, aber mit jedem Sponsoring weniger Raum für politische Kämpfe und queere Selbstbestimmung lassen. Das passiert auch in Ulm: Reden von einer CSU-Oberbürgermeisterin, Sponsoring von Pharmakonzernen und Clubs, Stände von milliardenschweren Unternehmen und zum zweiten Mal auch von der Polizei. Sie alle haben mit tatsächlicher queerer Selbstbestimmung nichts zu tun – Sie wollen rekrutieren, verkaufen oder sich selbst darstellen. Es wird sich mit Queerness geschmückt, aber nur solange sie hip ist und keine ernsthaften Änderungen bewirkt.
Damit verliert der CSD Stück für Stück seine Identität. Stonewall war ein Aufstand gegen die Polizei und ihre Repression. Auch in Ulm ist es noch gar nicht so lange her, dass es einen Aufschrei gab, als die „rosigen Zeiten“ einen von Schwulen und Lesben mitgestalteten Gottesdienst im Münster angekündigt haben. Das war 1995. Einer der wenigen unaufgeklärten Morde ist der von 1991 an Rafael Blumenstock – damals wie heute sagen wir und Rafaels Freund*innen: Getötet weil anders.
Deswegen ist unsere Position heute: selbstverständlich stehen wir solidarisch neben dem CSD Ulm. Gleichzeitig wollen wir nicht stumm bleiben gegenüber Entwicklungen, die den politischen Kern verwässern. Gerade in einer Zeit, in der die Gefahr von Rechts stetig steigt. Machen wir uns nichts vor – wenn jemals die AfD regiert, wird auch die Polizei mit uns anders umgehen. Gerade deswegen, muss uns klar sein, dass Stonewall keine gesicherte historische Erfahrung ist, die uns bis heute schützt. Gesellschaftliche Errungenschaften sind nicht in Stein gemeißelt, sie können mit staatlicher Gewalt zurückgedreht werden.
Lasst uns daher nicht nur für Sichtbarkeit beim CSD auf die Straße gehen, sondern jeden Tag für das gute Leben für uns Alle kämpfen – denn es geht ums Ganze.
Queers in die Antifa! Be gay, do crime, get organized!


























